La Traviata

  • La Traviata, unsere Hauptdarstellerin, ist eine im Leben „Entgleiste“, die immer und immer wieder aus ihren Schienen gerutscht und von den sicheren Bahnen ihres Lebens abgekommen ist.

    Durch ihre betörende, ansteckende  Schönheit war das Landmädchen Alphonsine Plessis, die reale Vorlage für den Roman von Alexandre Dumas (Sohn) innerhalb kürzester Zeit in die hohe Gesellschaft von Paris, der „ville lumiere“ der damaligen Zeit aufgestiegen und war als Edelmätresse für so manchen Ruin dieser wohlhabende Gesellschaft verantwortlich (wobei es durchaus „cool“ war, von einer Mätresse in den Ruin getrieben zu werden). Sie verließ die Bahn ihrer einfachen Jugend und Abstammung und wurde – als Marie Duplessis – ein allseits bewunderter und als „Statussymbol“ herumgereichter Star der Gesellschaft. Scheinbar verfielen ihr die Männer reihenweise, vielleicht auch der Dichter Alexandre Dumas selbst, der sie in seiner Romanvorlage Marguerite Gautier nennen wird, die Kameliendame, weil sie – wie die historische Alphonsine – wohl immer eine Kamelie bei sich hatte (drei Wochen lang eine weiß, dann – in der vierten Woche – rote).

    Eine bösartige Krankheit wirft die Lebenslustige allerdings aus der Bahn des sorglosen (die historische Alphonsine starb 23jährig an Typhus), amüsierten Lebens inmitten reicher Aristokraten, die für die schöne Kurtisane viel Geld auszugeben bereit sind und ihr High Life rund um die Uhr, mit allen erlaubten und unerlaubte Freuden, ermöglichen. Sie versteht es, ihre Empfänge zu Events zu machen, es ist immer was los im Hause Valery. „Carpe diem“, sie ist die Welt des Scheins gewohnt und führt auch sich selber hinters Licht und verdrängt ihre Krankheit. Leben, so lange und so gut es geht, „tutto nella vita é burla“ würde Falstaff sagen.

    Das Auftreten Alfredos, der sie wohl tatsächlich ernsthaft und innig liebt, seit er ihr das erste Mal vor einem Jahr begegnet war, bringt ihr System neuerdings völlig durcheinander und schmeißt sie aus der Bahn, wenigstens aus der Geisterbahn der Pariser Schattenwelt. Sie, die mit ihrem Körper Geschäfte macht und deshalb das Verhältnis Mann-Frau völlig entspannt als Business sieht, in dem sie Profiteurin ist und Spaß haben und sich ein glückliches Leben erlauben kann, spürt wohl zum ersten Mal seit langem wieder die famosen Schmetterlinge im Bauch. Die Liebeserklärung Alfredos bringt eine ungeahnte Saite zum Schwingen, bringt ihr bisheriges „sex&drugs&rock´n`roll“ Motto zum Wanken. Alfredos Liebe wirft sie aus delizia-Schienen, eine Katastrophe kündigt sich an (von „é strano“ bis „follie“, Dummheiten, die sich selber nicht eingestehen will).

    Im 2. Akt hat sie sich auf´s Land zurückgezogen, dahin, wo sie entstammt, dahin, wo sie Ruhe hat vor der Glitzerwelt, in die sie nie mehr zurückkehren will. Landhausidylle, Liebesidylle, Lebensidylle. Nicht einmal eine einigermaßen prekäre Finanzsituation kann ihre Freude trüben. Dies gelingt dafür  Alfredo´s Vater, Germont, der von ihr tatsächlich verlangt, zum Schein und um die Familienehre Alfredos zu retten, von diesem abzulassen. Die erst 3 Monate währende innige Liebe mit einem Wort zerschlagen, zerhackt. Die Welt bricht für Violetta zusammen, der Boden unter ihren Füßen wird ihr entzogen, sie wankt, sie torkelt, sie zerbricht. Die „croce“ zermalmt die „delizia“. Die noble Seele gewinnt über das leichte Mädchen, das Vater Germont vorzufinden meinte.  „Leben ist das, was passiert, während du Pläne schmiedest“ hatte John Lennon einmal gesagt und genau das widerfährt Violetta, die nun keinen Verkaufsbrief mehr zu schreiben braucht, sondern mit der bewussten Verleugnung ihrer Liebe anstatt des Besitzes ihre wahren Gefühle veräußern muss.  Germont zwingt sie auf ein totgelegtes Nebengleis. Der Weg ist kein Ziel. 

     

  • Ein Augen- und Ohrenschmaus

     

    Die Nichtigkeit des Daseins, die Eitelkeit menschlichen Tuns – Symbole der Vergänglichkeit versinnbildlichen sie. Überbordend wie auf einem barocken Grabmal bestimmen sie die Bühne der neuen "La Traviata" im Cottbuser Großen Haus: Totenschädel, Rosen, Libellen, Grabkreuze, Spiegel, Kerzen.

    Vergänglichkeit, weibliche Wollust, schillernde Raubtiermentalität, Eitelkeit, Endlichkeit verschlingen sich zum Rahmen um ein fantasy-dunkles Riesen-Bullauge. Poppig aufgehübscht mit lila Perücke, High Heels, Strapsen und kurzem Röckchen, lebt die Edelkurtisane Violetta Valery in diesem rauschhaften Ambiente.

     

    Lausitzer Rundschau 31.3.

     

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