Fidelio

  • Fidelio – oder sollten wir lieber Leonore sagen (wie die Oper ursprünglich hieß)? - ist die Geschichte einer mutigen, liebenden Frau, die nicht aufgibt, ihren totgesagten Mann zu suchen, der kein anderes Verbrechen begangen hat, als die (politische? Ethische?) Wahrheit zu suchen und auszusprechen. Die Frau glaubt nicht an seinen Tod, geht ihrer Ahnung und Intuition nach, verkleidet sich als Mann, um ins Gefängnis, in dem sie ihn vermutet, zu gelangen. Sie trotzt allen Hindernissen, findet schlussendlich ihren geliebten Gatten im tiefsten Kerkerverlies, befreit ihn unter Todesgefahr und rettet ihn somit vor dem sicheren Tod.

    In diese „große Geschichte" sind viele kleinere, feine Geschichten eingewoben:

    Die Heiratgeschichte zwischen Jaquino und Marzelline, die (einseitige) Liebesbeziehung zwischen Marzelline und Fidelio, die notwendige „Zweckverbindung" zwischen Rocco und Fidelio,

    die Geschichte zwischen Pizzaro und Florestan (Verbrecher und Ankläger), die Geschichte zwischen den beiden Freunden Don Fernando und Florestan oder die Geschichte zwischen Rocco und Pizarro. Theater und Oper sind immer viel(ge)schichtig, und es ist eine Freude, die verschiedenen Sphären eines Werkes herausarbeiten zu dürfen.

    Beethoven und seine (immer gescholtenen) Librettisten lassen die Geschichte in Spanien spielen. Das war damals notwendig, ist es heute aber nicht mehr. Oper heute unterliegt keinem Historienzwang mehr. Dem „Fidelio" kommt man mit einer naturalistischen Inszenierung nicht mehr bei. Das Publikum glaubt das spanische Gefängnis nahe Sevilla und vieles andere nicht mehr. Dass die Rollen auf der Bühne partout nicht kapieren, dass hier eine (verkleidete) Frau als Hauptakteur am Werke ist, lässt sich heute nicht mehr vertreten! Eine Verlegung in eine anderes historisches Ambiente – nach Guantanamo, in die Nazi-Zeit, nach China^, in den Iran – ist machbar, macht aber das Gesungene und Gesprochene nicht plausibler. Eine abstrahierte Bewältigung des Stoffes (was hat man nicht schon alles geschehen auf deutschen Bühnen) scheitert immer wieder an sehr konkreten Situationen (wie der Zisternenszene). Aber auch eine konzertante Aufführung – großteils ohne gesprochene Zwischentexte, wie dies häufig gemacht wird – verliert wiederum Wesentliches, weil doch in den oben zitierten Geschichten sehr viel lebendiges und schönes Theater enthalten ist. Aber auch ein literarischer Zugang verbietet sich, weil der Text – qualitativ – nicht mit der Musik mithalten kann. Konsequenterweise ist der Text dann am besten, wenn keine Musik da ist. Dem Text können wir nicht trauen, wohl aber der Absicht und dem Beweggrund der Figuren

    Was nun also:

    Die Idee: „Gehen wir Fidelio spielen" erlaubt uns ein „idealistisches Manifest", wie es von Beethoven wohl gedacht war, auf die Bühne zu bringen; erlaubt uns, so zu tun, als ob wir diese Geschichte spielten, als ob wir diese Geschichte ernst nehmen würden (und indem wir sie spielen, merken wir den Ernst, der dahintersteckt.) Dieser Ansatz lässt uns über die Werte nachdenken, die Beethoven mit seinem Humanitäts-Appell postulierte: das Individuum steht mit dem Rücken zur Wand und im Schatten der Macht. Der Macht wird aber nicht mit Gewalt begegnet, sondern mit inneren Werten, mit edlen Zielen: Hoffnung, bedingungslose Bereitschaft, Mut, Leidenschaft, Treue, Liebe, Glaube, Vertrauen, Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrheit, List, Ehe (als Verbindlichkeit, als Verbundenheit).

    Teile des Fidelio lesen sich wie ein Brief des Apostels Paulus, in der er die hohen Tugenden des Christentums anmahnt (z.B. im Galaterbrief 5,22 ff.) Es sind diese Werte - Ehre, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit, Pflicht - zusammen mit der ehelichen Treue der Frau, die am Ende der Oper als Sieger da stehen. Und das macht diese Oper so aktuell und auch so notwendig. In Fidelio geht es um fides und fedeltá! Vertrauen und Glaube – Paulus würde Glaube, Liebe, Hoffnung sagen – sind der Antriebsmotor dieser Oper.

    Musiker, Chor und die Sänger sind am Anfang „privat", dann werden sie „Sänger/Spieler" (im Zwischenraum) und schließlich „Rollenfiguren" (auf der Spielfläche). Das erlaubt uns ein „epische" Spielweise im Sinne Brechts. Die Sänger sind Vertraute des Publikums, sie sprechen – an verschiedenen Stellen - direkt zu ihnen.

    Um dem Stück die Schwere nehmen, vor allem im ersten Akt, greifen wir auf die einfache Spielweise der Commedia zurück. Diese Herangehensweise birgt allerdings das Risiko in sich, dass das Spiel durch die Einfachheit banal wird – deshalb müssen wir in der Einfachheit die „Gefülltheit" suchen (Ehrlichkeit, Echtheit, Plausibilität der Figuren). Das Spiel ist ganz bestimmten, klaren „Regeln" unterworfen. Gleichzeitig verwenden wir unsere „verfügbaren" Mittel – das sind in unserem Falle nur ein paar Hocker und Bänke (das ist übrigens die Essenz des „derben" Theaters, des Volkstheaters, wie es die comedia immer war) - und bauen mit diesen einfachsten Mitteln und der Phantasie der Zuschauer eine neue Welt.

    Der Bogen der Oper spannt sich von der comedia in eine vermeintliche tragedia zum Happy End, das aber – zunächst - in sich selber zum Stolpen kommt.

    Hier folgt nun die Leonore III Ouverture (eine szenische Erfindung von Gustav Mahler!), in der wir versucht haben, die „Fidelio"-Geschichte inmitten unserer eigenen Geschichte zu lokalisieren. Fidelio ist passiert und passiert immer noch. Mir schien es wichtig, die Beethovensche Geschichte auch zu unserer Geschichte zu machen. Genau das passiert in der Klammer, in dieser Viertelstunden nach der „namenlose Freude".

    In der Bozner Version haben wir den normalerweise gespielten Text erweitert. Wir haben die die Originalversionen sehr genau durchstudiert, um den dünnen Figuren und der oft platten Handlung mehr schauspielerischen und dramatischen corpus zu geben. Wir haben also versucht, dem ursprünglichen Skopus und Gedanken Beethovens näherzukommen. Es ist ein Versuch "Menschen aus Fleisch und Blut" zu schaffen - um es mit Schiller zu sagen. In der Bozner Fassung gibt es nur Originaltext, und trotzdem ist alles Unwesentliche weg.

  • Fidelio - Ludwig van Beethoven

    "Scalpitante inno alla gioia. (...)Vero tocco di magia."
    Carla Moreni, 24 SOLE 24 ORE, 16.01.2011

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    „Geleitet von Feinfühligkeit und dramaturgischem Einfallsreichtum, gelang Schweigkofler eine sensible Gratwanderung zwischen Buchstabentreue und Dekonstruktion, deren Ergebnis ein durch und durch frischer „Fidelio" war.
    Schweigkoflers Wurzeln liegen im Low-Budget-Bereich des experimentellen, „alternativen" Sprechtheaters, weswegen der Südtiroler Theatermann daran gewöhnt ist, eher mit Menschen aus Fleisch und Blut als mit exaltiertem Ausstattungspomp zu arbeiten. Er ist sichtlich vertraut mit dem Purismus eines Brecht, Eugenio Barba oder einer Pina Bausch, lässt jedoch auch den Commedia dell'Arte-Esprit eines Giorgio Strehler nicht zu kurz kommen.
    Auf dem Höhepunkt der Katharsis („O namenlose Freude") schreiten Florestan und Leonore Hand in Hand über die Hinterbühne auf den Platz hinter dem Stadttheater hinaus, eine Szene von chaplinesker Komik: Normalbürger unter ihresgleichen, endlich in der Freiheit.
    Kann man heute einen provokanteren Seitenhieb auf Berlusconis Bananenrepublik lancieren?"
    Carlo Vitali, Opernwelt, März 2011

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    „Direktor Manfred Schweigkofler hat in dieser Regiearbeit erfolgreich den Dialogen so breiten Raum gelassen, dass ein Vorwärtsschreiten der Handlung erkennbar blieb.Ohne hierbei die Grundthematik des Werks zu verleugnen."
    W. Kutzschbach, Das Opernglas, März 2011

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    „Bolzano: grande consenso di pubblico per una bella – e intelligentemente „attualizzata" edizione di Fidelio al Teatro Comunale. Al Teatro Comunale una recitazione di tutti molto curata e mai enfatizzata al massimo."
    L'opera, febbraio 2011

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    "Con esemplare rigore narrativo, il regista colloca la vicenda in una dimensione senza tempo: reminiscenza della commedia dell'arte e alta tensione drammatica."
    Giulia Vannoni, Classic, febbraio 2011

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    "Una regia di esemplare rigore narrativo, che restituisce l'opera a una dimensione contemporanea, nella quale diventa possibile riconoscersi. Il regista cura molto i dialoghi e caratterizza con grande attenzione i personaggi."
    Giulia Vannoni, La Voce, 18.01.2011

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    "A Manfred Schweigkofler piacciono le storie e le emozioni. Sul podio dell'Orchestra Haydn Gustav Kuhn convinto del pensiero "Beethoven – Schweigkofler".

    A sostegno di una meta-teatralità dove dare spazio anche al registro comico.
    Per il regista il messaggio è chiaro: Fidelio è portatore di un messaggio di rinascita, di gioia, vede un futuro roseo capace di sconfiggere ogni pessimismo esistenziale."
    Roberto Rinaldi, Teatro ORG, 17.01.2011

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    "Manfred Schweigkofler, uomo di teatro di rara sensibilità e di non comune intelligenza, firma un allestimento di grande impatto emotivo prima ancora che visivo. Geniale la soluzione drammaturgia impiegata per la Le onore III.
    Successo pieno e meritatissimo per tutti al termine, a dimostrazione che. Anche in periodo di vacche magrissime e con mezzi non faraonici, è possibile allestire spettacoli di alto livello."
    Alessandro Cammarano, OPERACLICK, 17.01.2011

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    "il Teatro Comunale di Bolzano centra dunque di nuovo il bersaglio.
    La messinscena appartiene a un genere che potremmo definire "minimalismo di spessore". Meriterebbe di figurare in un antologia beethoveniana."
    Paolo Patrizi, www.drammaturgia.it, 17.01.2011

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    " "Fidelio strehleriano. L´essenzialità con leggerezza.
    Proprio perché quadrato e rigoroso, ha il merito di non raccontare solo il lato serio, etico e filosofico del Singspiel beethoviano ma anche quello comico e leggero.
    Messinscena astratta e povera ma molto "calda", capace cioè di dire i valori umani e universali che attraversano l'opera.
    In questa ricerca di essenzialità da teatro popolare, la messinscena si sposa molto bene con lettura musicale."
    Enrico Girardi, Corriere della Sera, 16.01.2011

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    "Fidelio sembra Brecht.
    Regia vivida nei caratteri e toccante. Pochi gesti, forti e "nella" musica. La lettura teatralmente laica, a tratti brechtiana."
    Angelo Foletto, la Repubblica, 15.01.2011

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    "una potentissima idea teatrale. Produzione davvero superba.
    Qualità che parte da lontano, con scelte di titoli non scontate (non è ovvio mettere in scena un "Fidelio" come non lo era nel 2010 l'"Elektra")
    La regia sceglieva felicemente una strada a tratti grottesca e da fumetto dark, volta a giocare sui contrasti e sul senso metaforico della rappresentazione."
    Emilia Campagna, l'Adige, 13.01.2011

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    "Se il desiderio della regia era quello di attualizzare un'opera sempre vissuta come distante, Schweigkofler è riuscito pienamente nel suo intento.
    Espedienti sempre nuovi delle messinscene di Schweigkofler."
    Monique Ciola, il giornale della musica, 13.01.2011

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    "un trionfo al Comunale.
    Il nuovo allestimento bolzanino ha esaltato la dimensione teatrale, alternando equamente lirica, prosa e intermezzi."
    Marika Da maggio, Corriere dell'Alto Adige, 13.01.2011

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    "magia del tutto a-storica in cui far pulsare il cuore universalistico.
    Il brivido del gesto essenziale."
    Annely Zeni, Alto Adige, 13.01.2011

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    "La regia di manfred Schweigkofler strappa infatti l'opera dalla Spagna seicentesca dettta dal libretto originale, per trasporla nell'anonimo e assoluto spazio del "Teatro".
    Susanna Venturi, Corriere, 08.02.2011

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    "lo spettacolo di Manfred Schweigkofler valorizza questo inno alla libertà attraverso una regia di esemplare rigore narrativo, che restituisce lopera a una dimensione contemporanea, nella quale diventa possibile riconoscersi."
    Giulia Vannoni, La VOCE, 16.01.2011

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    "Standing ovation per il "Fidelio"
    Attilia Tartagli, La VOCE, 08.02.2011

 
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